Sprach man früher von Gewissensbildung, war damit zumeist die Forderung nach blindem Gehorsam gemeint. Das Kind hatte ungefragt und unbegründet zu tun oder zu lassen, was die Erwachsenen bzw. die Gesellschaft von ihm forderte. Heute ist man bemüht, die Heranwachsenden in ihrer Eigenständigkeit zu stärken. Sie sollen für sich entscheiden, was sie für richtig oder falsch befinden, oder was sie glauben wollen. Gleichzeitig weiß man, dass die Weitergabe von Werten der Charakterbildung dient. Und kaum jemand bestreitet, dass gute Charaktereigenschaften und gewisse Tugenden zu einem gelungenen Leben beitragen (Bitter, 2002, 238-243).
Diese Spannung führt bei vielen Erziehenden zur Verunsicherung und Überforderung. Wie sollen sie sich in der Erziehung verhalten, damit sich die ihnen Anvertrauten zu eigenständigen und gesellschaftsfähigen Persönlichkeiten entwickeln können? Wie entwickeln sich Moralität und Gewissen bei Kindern und Jugendlichen tatsächlich? (aus dem Familienhandbuch)